Aquawhaaat? – oder warum ich Aquavit trinke

Aquawhaaat? – oder warum ich Aquavit trinke

Als ich Stella Bouchette, Marketing Manager bei Arcus Norway und Brand Ambassador der Marke Linie Aquavit das erste Mal bei einer Aquavit Masterclass traf, da fühlte ich mich sofort in meine Studienzeiten zurückversetzt. Aquavit ist für viele eine vergessene oder unbekannte Spirituose. Doch alle diejenigen, die in und um Mannheim studiert haben, kennen den Geschmack nur zu gut. In den 60er Jahren kamen viele Norweger wissensdurstig nach Mannheim, um zu studieren. Im Gepäck Aquavit, gegen das Heimweh. Regelmäßig wurde im Mannheimer Schloss gefeiert, mit Räucherlachs, Ziegenkäse und Aquavit. Die Studenten aus Norwegen machten die sogenannten “Norwegerfeten” zu einer Mannheimer Legende und Institution.

Meine Unizeit ist lange vorbei, aber der Aquavit ist zurück. Pur getrunken, zum Essen oder als Spielgefährte in Cocktails, vielseitig, elegant und klassisch. Was ist Aquavit aber eigentlich? Ist das ein Kümmelschnaps?

Aquawhaaat? Aquavit ist der “Spirit of the Nordics”. Der kleine Kurze ist groß im Kommen und macht sich hervorragend in Cocktails. Vom wilden Wikinger zum stilvollen Feingeist.

Der Name Aquavit leitet sich aus dem lateinischen “aqua vitae” ab. Als “Wasser des Lebens” hat Aquavit seine Heimat in Skandinavien. Dort ist er, ähnlich dem Whisky, das Nationalgetränk. Seine Geschichte begann bereits im 14. Jahrhundert und wie so häufig in der Geschichte von Spirituosen, als Heilmittel.

Die Basis ist ein Neutralalkohol, der je nach Herkunftsland aus Getreide oder Kartoffeln gewonnen wird. Diesem werden hauptsächlich Kümmel und/oder Dill, sowie weitere Kräuter und Gewürze, Orangen- oder Zitronenschalen je nach Geschmacksprofil zugesetzt. Die erneute Destillation erfolgt nach der Mazeration, also wenn die Botanicals ihre Geschmacksstoffe an den Alkohol abgegeben haben. Erinnert an Gin?! Der Herstellungsprozess ist nahezu identisch.

Aquavit wird gemacht wie Gin und gelagert wie Whisky.

Ob Kartoffel oder Getreide, ob mehr Kümmel oder mehr Dill, ob Aquavit mit K oder Q geschrieben wird, ob gelagert oder nicht, das ist abhängig vom Herkunftsland. Ein Akvavit, mit K, kommt zum Beispiel aus Dänemark oder Schweden, wird hauptsächlich aus Weizen gebrannt und muss nicht gelagert werden.

 

Der Aquavit von Linie basiert auf Kartoffeln und neben dem Hauptbestandteil Kümmel schmeckt man Anis, die frische Note von Orange und eine vanillige Süße. In Norwegen ist es gesetzlich geregelt, dass Aquavite in Sherryfässern reifen müssen. Die Besonderheit bei Linie ist, dass die Fässer auf Schiffe verladen werden und zweimal den Äquator überqueren. Linie ist übrigens der norwegische Name für Äquator. Das sanfte Wiegen der Wellen, die Seeluft und die Reise durch verschiedene Klimazonen verleihen der Komposition einen runderen Geschmack.

Was wie ein Marketingversprechen klingt, basiert auf einer mehr als 200 Jahre alten Geschichte. Die Handelsfamilie Lysholm wollte ein Fass nach Übersee versenden, doch leider kam die Ware unzustellbar zurück nach Norwegen. Durch diesen Umstand fand die Handelsfamilie heraus, wie gut die Reise über die Weltmeere dem Aquavit bekommen war. Ein harmonisches und aromatisches Ergebnis, welches dazu führte, dass ab diesem Zeitpunkt alle Linie Aquavite 4 Monate auf dem Meer reifen. Ein genauer Blick auf das Etikett lohnt sich, auf jeder Flasche wird die zurückgelegte Reiseroute und der Name des Schiffes genannt. Bevor es allerdings auf Reisen geht, hat der Aquavit bereits 12 Monate im Sherry-Fass verbracht. Süße und angenehme Holznoten sind das Ergebnis. Insgesamt reift der Linie Aquavit also ganze 16 Monate im Fass. Weitere 12 Monate verbringt die Double Cask Edition von Linie entweder in einem Port- oder in einem Madeira-Fass. Die Fassreifung verleiht ein breites Spektrum an Aromen und macht die Spirituose zu einem spannenden, facettenreichen Produkt.

Regionale Herkunft der Zutaten, verändertes Trinkverhalten der Konsumenten: Aquavit trifft den Zeitgeist.

Die Omnipräsenz von Gin hat viele Verbraucher in Sachen Spirituosen aufmerksamer werden lassen. Das Interesse an Zutaten und Herstellungsprozessen ist gestiegen. Im Bereich Essen & Trinken findet sich zunehmend ein interessiertes und aufgeschlossenes Publikum, bereit sich auf kulinarische Wagnisse einzulassen.

Meinen ersten Aquavit Cocktail trank ich in Oslo, in der mehrfach ausgezeichneten Bar HIMKOK. Es war eine Mischung aus Aquavit, klassischer Tawny Portwein (10 Jahre), einem Hagebutte-Preiselbeer-Shrub und Limettensaft. Serviert wurde der Drink mit dem spannenden Namen „Ut på tur, aldri sur in einem getöpferten traditionellen Gefäß. Die Norweger lieben es zu wandern. Der Name des Cocktails: Man ist immer gut drauf, wenn man spazieren geht. Meine erste Begegnung hätte nicht besser sein können, ein bleibendes Geschmackserlebnis.

Aquavit Week: Trinken für den guten Zweck. Skål!

“Die Aquavit Week setzt gezielt den Aquavit in Szene”. Wer diesen Satz dreimal hintereinander schnell und fehlerfrei aufsagen kann, hat noch nicht genug getrunken.  Sie findet in diesem Jahr zum zweiten Mal in Deutschland statt und dauert vom 04. November bis zum 11. November 2018. Mehr als 80 Bars aus ganz Deutschland nehmen teil und ich hatte die Ehre eine Deutschlandkarte mit den Standorten zu zeichnen. Jede Bar wird seinen Gästen mit einem oder mehreren Drinks die Vielseitigkeit von Aquavit präsentieren. Viele kennen sicherlich den Malteserkreuz aus Opas Eisfach, übrigens ein deutscher Aquavit aus den 20er Jahren, aber Aquavit im Cocktail!? Die Drinks werden zubereitet mit Linie Aquavit und Lysholm No.52 aus Norwegen, Aalborg Dild Akvavit aus Dänemark oder Malteserkreuz Aquavit aus Deutschland, also eine gute Gelegenheit die verschiedenen Varianten zu probieren und das auch noch für den guten Zweck. Für jeden verkauften Drink während der Aquavit Week, geht ein Euro an die von renommierten Barprofis gegründete unabhängige Non-Profit-Organisation P(our). Hier unterstützt man nicht nur Weiterbildungsprogramme in der Gastronomie, sondern auch Umweltprojekte.

Infos zur Aquavit Week unter https://www.facebook.com/aquavitweekgermany/

Ich setze nun die Segel für die Aquavit Week. Hier einige Inspirationen und Rezepte aus meinem Barleben. Skål!


Bad Boy by Merlin Braun, Bar Manager im Orania Berlin

6 cl Linie Aquavit Madeira Cask
2,5, cl frisch gepresste Limette
1,5 cl Agavesirup
0,5 cl flüssige Meersalzlösung

Shaken und in einem Nosingglas auf Eis servieren. Als Garnitur ein getrocknetes Limettenrad.

Aqualicious Twist eines Daiquiris.

 


Golden Globe by Hunky Dory in Frankfurt

5 cl Linie Aquavit
2,5 cl Lime Juice
3 cl Homemade Apple-Fennel-Cordial

Stir and serve in a beautiful glass. Garnish with a dried apple and lemon zest.

One apple a day keeps the doctor away.

error: Content is protected !!