Bars in Istanbul #4 – Mein persönliches Highlight

Bars in Istanbul #4 – Mein persönliches Highlight

Jetzt kommen wir zu meinem persönlichen Bar-Highlight, die Alexandra Cocktail Bar. Der Kopf hinter dem Tresen ist der talentierte Osman Fethi Baycan. Er ist noch nicht lange Bartender, doch er hat bereits zahlreiche Wettbewerbe gewonnen. Kürzlich wurde er Finalist der Bacardi Legacy Competition in der Türkei. Sein Drink „Amor Duro“ auf der Cocktailkarte ist ein Gewinner der Tahona Society Cocktail Competition. Wir sind uns in Berlin das erste Mal begegnet, danach nochmals in Athen und nun war es an der Zeit nach Istanbul zu reisen. Dort traf ich auch Bilal Mert wieder, den ich ebenfalls in Berlin kennenlernte. Beide kümmerten sich die ganze Woche herzlich um mich. Ich muss an dieser Stelle schon mal erwähnen, dass diese Gastfreundschaft wirklich überwältigend war. Ich bekam zum ersten Mal die Chance, einen Abend hinter der Bar als Bar-back von Osman zu verbringen. Bilal Mert ist der Kopf hinter robin’s Kitchen und versorgte mich kulinarisch.

Nun aber zur Bar, die nur ein Teil eines Gesamtkonzeptes ist. Unter einem Dach befinden sich nämlich im Erdgeschoss die Alexandra Cocktail Bar und darüber eine lauschige Zwischenetage mit gemütlichen Sofas und Blick nach unten, direkt auf die Bar. Eine Wendeltreppe führt weiter nach oben, vorbei an den Waschräumen und Büros, zu robin’s Kitchen. Hier wird moderne türkische Küche mit internationaler gemixt, ein kulinarischer Genuss. Dieser ist nicht nur kulinarisch, sondern auch die Dekoration und die offene Küche sind ein Erlebnis. Wir aßen in einem kleinen abgetrennten Raum, der einem das Gefühl gab, zu Hause bei Freunden zu sein.

Hinter der Innenarchitektur steckt übrigens die Schwester von Bilal Mert. Der Ausblick auf den Bosporus ist das „Salz in der Suppe“ und möchte man diesen noch weiter auskosten, dann geht man einfach noch eine Etage nach oben. Dort versteckt sich die kleine Rooftop Bar „Elixir House“. Der Name verrät bereits den Schwerpunkt der Drinks mit Elyx, dem Luxusvodka von Absolut. Die polierten Kupferananas und Flamingos der Marke strahlen um die Wette, aber mich faszinierte vor allem die Aussicht. Diese scheint tagsüber endlos und bei Nacht sieht man die farbenprächtig erleuchtete Bosporusbrücke in der Ferne. Wer die Stockwerke nicht wieder hinunterlaufen möchte, kann auch den kleinen Fahrstuhl benutzen.

Das tat ich dann auch, um mir die Bar, die meinen Namen trägt, genauer zu betrachten. Der Name rührt allerdings nicht aus dem Griechischem, sondern ist der Vorname der Frau eines weiteren Teilhabers. Er hat seinen Lebensmittelpunkt in Italien und dies färbt auf die gesamte Atmosphäre ab: Die Bar hat einen italienischen Hauch, aber nicht zu üppig. Gemütliches Interieur, Designelemente, dunkles Holz und warmes Licht. Das Rückbuffet ist klein aber fein, die Bar erstreckt sich über die gesamte Länge des Raumes. Ein DJ sorgt an den Wochenenden für lange Nächte. Trinken, Essen und ausgiebiges Feiern, alles unter einem Dach. Vor der Tür gibt es ebenfalls Sitzgelegenheiten und Heizkörper für die kühlen Nächte.

Ich bin ein bekennender Fan von einheitlicher Kleidung hinter der Bar und die dunklen, asiatisch anmutenden Barjacken haben daher mein Auge sehr erfreut. Die Namen der Bartender sind aufgestickt und jeder trägt noch einen italienischen Namen. Leonardo, Michelangelo, Donatello, Raphael. Osman trägt währenddessen den so gar nicht italienischen Namen „Master Splinter“. Moment mal, das sind keine italienischen Renaissance Künstler, das sind die Namen der Ninja Turtles. Das ist eine Comicserie aus den 80ern, in welcher mutierte und sprechende Riesenschildkröten von einer ebenfalls mutierten Ratte, dem Master Splinter, in der hohen Kunst des Ninjutsu unterwiesen wurden. Das ist sehr treffend und ein schönes Namensspiel für die Nachwuchsbartender. Osman ist im Übrigen ein großartiger Lehrmeister. Meinen ersten Tag hinter der Bar hat er mir sehr leicht gemacht, aber dazu in einem anderen Bericht mehr.

Die Cocktailkarte hat neun House Cocktails und sechs Barrel Aged Cocktails. „Knock! Knock!“ bestellt man am besten, indem man zweimal auf Holz klopft. „Passiflora“ ist der Bestseller, davon konnte ich mich an meinem Abend hinter der Bar selbst überzeugen. Mir selbst gefiel der „Amor Duro“ sehr gut.

Ich habe diese Bar nicht nur wegen des Teams, des Konzepts, oder wegen des Namens ins Herz geschlossen, vielmehr wegen ihrer Leidenschaft und Herzlichkeit. Osman macht seinen Job als Bar Manager ernsthaft und mit viel Anspruch. Istanbul ist kein leichtes Pflaster, um eine Bar zu einer renommierten und weltweit anerkannten Institution zu machen und auch die Barszene weiter zu unterstützen. Leider werden die Zeiten auch immer schwerer durch Terror und politische Entscheidungen. Cocktail Bars sind eher ein Zeichen von Wohlstand und finden sich vermehrt in liberalen Ländern. Auch wenn meine Geschichten meist positiv und märchenhaft klingen, schaue ich trotzdem kritisch hinter die Kulissen. Ich sehe nicht nur Bars, sondern auch Land und Leute. Das Ziel eines jeden Menschen ist es glücklich zu sein und Freude am Leben zu haben – genau das versucht dieses kleine Haus im Stadtteil Arnavutköy zu erreichen.

Osman kümmert sich um sein Team und das Ansehen der Bartender. Das Projekt „Desk of Fame“ bringt regelmäßig international ausgezeichnete Bartender hinter den Tresen der Alexandra Bar. Ich war zeitgleich mit Alex Kratena dort, davor hatten schon Remy Savage, Shingo Gokan und Cihan Anadologu ihre Gastschichten. Es ist wichtig den Bekanntheitsgrad zu fördern, und alle sind sie nach Istanbul gereist.

 Die Bar hat Weltklasseniveau, das Konzept ist international. Eine Bar, ein Haus, ein Konzept und eine kleine andere Welt.

Ich war an drei Tagen dort, tagsüber, nachts und noch nie hatte ich solch einen Blick hinter die Kulissen.

Am 9. Februar feiert die Bar ihren ersten Geburtstag. Istanbul ist eine traumhafte Stadt und die Atmosphäre, das Flair ist modern und alt zugleich. Alles atmet Geschichte. Die Cocktailkultur ist hier im Aufschwung und mit kleinen Schritten geht es voran. Ich hatte eine großartige Zeit, und ich werde zurückkehren um den ersten Geburtstag ausgiebig mitzufeiern. Ich bin gespannt, welche Bargröße diesmal da sein wird.

Hier finden sich wunderschöne und professionelle Bilder von Salih Erçetin zur Bar und Kitchen. Ich lernte ihn und seine Kamera in Istanbul kennen. Auf Instagram gibt es noch mehr Bilder zu bestaunen.

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