Begegnungen in der Bar

Begegnungen in der Bar

Meine Barabenteuer unternehme ich meist alleine. Für alle, die mich des Öfteren mal fragen, ob ich nicht bei den Barbesuchen angesprochen werde, gibt es hier eine kleine Geschichte.

Zum einen werde ich so gut wie nie angesprochen oder angemacht, da ich in Bars gehe, die ein kultiviertes Trinken zelebrieren und meist auch selbst ihre Gäste auswählen. Zum anderen muss ich allerdings gestehen, dass ich gerade in meiner Lieblingsbar die meisten Menschen bisher kennengelernt habe. Meinen jetzigen Chef zum Beispiel, Thanos aus dem Baba Au Rum, den Sohn meiner Grundschullehrerin, aber das sind andere Geschichten.

 Diese Geschichte ist jemand anderem gewidmet. Nämlich jemandem, der das Immertreu genauso gerne mag wie ich.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist unser Trinkprofil. Nun, kennengelernt habe wir uns im Februar. Ich kann mich leider nicht mehr genau daran erinnern wie wir ins Gespräch kamen. Ich war mit einem alten Freund aus Stuttgart unterwegs, der den Abend früher beendete. Ich blieb noch und lernte M. kennen. Im Nachhinein würde ich mal vermuten, dass wir über den exzellenten Seelbach ins Gespräch kamen, aber wie dem auch sei, unsere Leidenschaft für Bars und Spirituosen verband uns sofort. Mittlerweile trafen wir weitere Male aufeinander. Ich lernte auch seine Frau kennen, um hier mal die romantischen Spekulationen aus dem Weg zu räumen. Die beiden haben ein sehr interessantes Lebenskonzept, gehen sehr entspannt und aufmerksam miteinander um. M. geht auch sehr gerne mit seiner Frau in Bars, aber auch alleine, oder mit Booze Buddies wie ich mittlerweile auch. Und so kommen wir zurück zu den Gemeinsamkeiten hinsichtlich des Trinkprofils und ein paar Fragen, die ich M. gestellt habe.

Was trinkst du gerne

Bourbon und Rye mag er gerne. Old Fashioned und Manhattan bestellt er gerne. Seelbachs sehe ich jedesmal vor ihm stehen.

Was würdest du nie trinken

Moscow Mule und Schneeflöckchen von der Karte fällt ihm da sofort mit einem leichten Rümpfen der Nase ein. Ich hatte fast vergessen, dass es im Immertreu ja auch eine Karte gibt und wir ließen uns diese reichen. Wir blättern sie gemeinsam durch. Ein schmales Klemmbrett mit einer Liste der Drinks. Die Karte ist einfach und solide.

Wo sitzt du am liebsten

Direkt an der Mixstation, hier kann man mit dem Bartender sprechen und auch sein Fachwissen erweitern. Hier sitze ich auch am liebsten und bestellte nun endlich, denn ich „flatterte“ erst einmal wild umher. Ich hatte zuvor schon ein paar Mezcal Drinks konsumiert und freute mich über die Anwesenheit von M. und seiner Frau. Es wurde ein Manhattan, etwas abgewandelt mit Portwein. Das hatte mir Ricardo mal gezaubert und mir hervorragend gemundet. Er nahm eine Flasche Elijah Craig Bourbon, etwas Portwein, Cocchi Wermut, Walnut Bitters und stellt mir das perfekt gekühlte Glas vor die Nase. Ich roch, trank und schaute ihn mit großen Augen an. „Willst du mich vergiften?“, fragte ich ihn. Der Manhattan war stark, die Flüssigkeit rann zähflüssig vom Rand des Glases zurück. Der Drink hatte mal wieder ordentlich Wums, war aber trotzdem sehr seidig und süß. Ich kenne den Bourbon, dessen Trinkstärke eigentlich bei 47 % Alkohol liegt. Hätte ich genauer hingesehen, dann wäre mir das schwarze Etikett aufgefallen. Hier stand Barrel Proof drauf und satte 70 % Alkohol. Von diesen Flaschen gibt es nicht so viele in Deutschland. Im Immertreu findet man immer Raritäten und dafür liebe ich diese Bar.

Meine nächste Frage, warum M. am liebsten ins Immertreu geht, beantwortet er mir mit diesem Satz:

  Weil ich noch nie woanders vergleichbar getrunken und auch noch nie eine solche Auswahl vorgefunden habe.

Gibt es noch andere Bars, in die du gehst

„Ab und an ins VOIMA. Die Bar ist klein und die Auswahl nicht so wie hier, aber du findest tolle Drinks, es gibt kleine Knabbereien und auch ein Tässchen Kaffee, wenn du das möchtest. Ach ja, die Toiletten sind großartig und musikalisch untermalt. Der Name der Bar stammt von dem Eisbrecher, auf dem die Besitzerin geheiratet hat.“ Somit ist mein nächster neuer Barbesuch schon mal klar. Ich bin der Barbesitzerin auch schon begegnet, hatte aber einen Besuch bisher versäumt.

Den Abend schloss ich mit einem Greenpoint ab und war mal wieder einer der letzten Gäste. Armer Ricardo, aber vielen Dank für diesen wundervollen Ort. Wir lieben deine Bar und dich, auch wenn die Drinks echt hart sind, oder auch gerade deshalb ❤

 

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