Das Stue – Eine Hotelbar etwas versteckt

Das Stue – Eine Hotelbar etwas versteckt

Der neoklassizistische geschwungene graue Steinbau des Hotels Das Stue schmiegt sich an die Grenzen des Zoos und Tiergartens in Berlin. Unauffällig liegt das Stue in einer ruhigen Straße im Botschaftsviertel. Im Erdgeschoss des Hotels versteckt sich eine Bar, um die es wohl etwas ruhiger geworden war. Das ursprüngliche Barkonzept wurde 2013 eröffnet und hatte einen deutlichen 20er Touch. Hotelbars haben ihren eigenen Charakter, die Atmosphäre ist im Allgemeinen meist anonym und die Drinks einem breiten Publikum angepasst. Deshalb stehen sie in der Regel auf meiner Besuchsliste nicht weit oben. Allerdings gibt es unter der Regie des neuen Bar Managers Daniel Klingeis, der als gelernter Hotelfachmann, Sommelier und Barkeeper bereits in vielen renommierten Sternehotels gearbeitet hat,  seit Anfang August eine völlig neue Karte.

Die Karte orientiert sich an der mediterranen Küche des Sternekochs Paco Perez. Das neue Barteam besteht aus fünf Köpfen und jeder einzelne hatte die Möglichkeit, die neue Karte mitzuprägen. Aufmerksamer Service, professionelle Beratung und ein einheitliches und gepflegtes Bar Outfit mit Weste und Krawatte, unterstützen die hochklassige Atmosphäre. Die Bar mit dem kupferfarbenen Tresen fällt einem schon beim Betreten des Hotels ins Auge, auch wenn sie ganz am anderen Ende zu finden ist und man erst an den Kunstobjekten in der Lobby und der Rezeption vorbeigeht.

Ich machte es mir auf dem Barhocker bequem. Ein Glas Wasser und eine große Schale mit gesalzenen Mandeln gesellten sich zu mir und ich schaute durch die Karte. Als ersten Drink wählte ich einen Smoke From Out Of Town, eine Rezeptur des Bartenders vor mir. Rauch, eine leichte fruchtige Note und Rosmarin, klang schon mal verlockend. Für eine Hotelbar eine stattliche und leicht experimentelle Auswahl an Drinks. Die Untersetzer sind aus Gummi mit dem schönen Schriftzug , doch leider kleben sie auf dem Bartresen und lassen sich nur schwer verschieben. Allerdings eine bessere Variante zu meinen ungeliebten schwarzen Servietten, die nach wenigen Sekunden am Boden des Glases „anpappen“. Nach dem ersten Schluck, entspannte ich mich von einem langen Arbeitstag. Die Musik ist dezent, die Atmosphäre eher intim und trotzdem leger. Es gibt einige Sitzgelegenheit, direkt an der Bar, aber auch gemütliche Sofas, Sessel, Tische und Stühle und einen Außenbereich.  Stue bedeutet im Dänisch ja Wohnzimmer, hier sollen sich die Gäste einfach wohlfühlen. Ich fühle mich ein bisschen in die Zeit der Tierserie Daktari versetzt. Das Thema Zoo findet sich in der Einrichtung wieder. Diese ist dezent, elegant und dennoch sehr gemütlich; dazwischen finden sich immer wieder Tierobjekte. Tagsüber hat man aus dem großen Fenster hinter der Bar einen direkten Blick in das Straußengehege. Abends werden auf die große Fensterfront Schwarzweißfilme projiziert. Eine Weile schaue ich mir Ingrid Bergmann und Gregory Peck an und bestellte dazu Nachos mit Guacamole und Thunfisch. Die Auswahl an Barfood ist hier natürlich groß und meine Nachos sehr lecker.

Der Dreh- und Angelpunkt ist das Spirituosenregal, welches in der Mitte der Bar steht. Es ist von allen Seiten erreichbar. Hier finden sich auch einige Raritäten und auch alte Bekannte, wie z. B. der Amores Mezcal, der hier im „Smokey Mexican“ zusammen mit den Brombeeren eine gute Einheit bildet. Ich beobachtete das Treiben hinter der Bar. Viel Platz gibt es nicht, aber alles ist sehr gut organisiert. Die Zeit verging mal wieder schneller als gedacht. Daniel Klingeis erklärte mir das Konzept, die Drinks, wir sprachen über Bars, die wir mögen und die wir nicht mögen. Es war an der Zeit seine Kreation auf der Karte zu kosten. Scotland Is Not New York ist eine Abwandlung eines New York Sours mit einem hochwertigen Dalmore Cigar Malt, der für den etwas höheren Preis des Drinks verantwortlich ist. Allerdings ist diese herbe, süße und saure Note durch den dicken Eischnee getrunken ein Vergnügen. Wie ich erfuhr hat der Drink auch Herrn Kappes gut gefallen und ihm noch einen letzten Feinschliff verliehen.

Im Zoo versteckt sich also ein eleganter Ort zum entspannten Trinken mit einem frischen und ambitioniertem Team.

Freitags gibt es in der Hotelbar Livemusik. An diesem Abend spielte eine Acoustic Band, die vorwiegend auf Berlins Straßen auftritt. Ein schöner Kontrast zu einem Luxushotel. Ich probierte daher noch einen Drink aus der Kategorie Non Alcoholics. Diese Kategorie gewinnt in der letzten Zeit immer mehr Aufmerksamkeit und auf der Karte finden sich interessante Kreationen. Diese stammen vom fünften Mitglied des neuen Barteams. Keine einfache Aufgabe, meist sind die Drinks nämlich zu fruchtlastig und zu süß. Mir fehlt hier definitiv der Alkohol als Geschmacksträger 😉 , aber der Spanish Diamond war überraschend erfrischend und gut ausbalanciert. Ich habe gelernt, dass Hotelbar nicht gleich Hotelbar sein muss, und das kreative Konzept des Stue hat mich überzeugt.

Blick in die Karte. Die Bilder am Anfang des Berichtes wurden mir vom Hotel zur Verfügung gestellt.

 

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