Die beiden schönsten Bartender ihrer Altersklasse

Die beiden schönsten Bartender ihrer Altersklasse

Es ist Freitagabend und eine arbeitsreiche Woche verlangt nach einem gepflegten Ausklingen. Meine Trinkgewohnheiten scheinen sich etwas zu wandeln, denn ich war schon wieder nicht alleine unterwegs. Mittlerweile treffe ich auf Menschen mit dem gleichen Interesse.

Becketts Kopf war der Treffpunkt. Gegen Mittag stellte sich bereits die geschmackliche Erinnerung nach der leckeren Kreation aus Gin, Madeira, Wermut und Enzian ein, die ich beim letzten Besuch dort hatte. Ich klingelte und dachte mir beim Reindrücken des goldenen Klingelknopfes, dass ich schon lange in keiner Bar ohne Klingel war und dies mittlerweile eine Selbstverständlichkeit für mich ist. Im Grunde ist dies mein erstes Qualitätskriterium, ohne einen persönlichen Empfang fehlt mir der erste Auftakt zu meinem Erlebnis. Nun, es öffnete die Dame des Hauses und ich schlüpfte aus dem Nieselregen hinein in das große dunkelbraune, rötlich, golden schimmernde Wohnzimmer. Hinter der Bar Herr Ebert in seiner vollen Größe und Pracht, am Ende der kleinen Bar meine Verabredung. Ich startete mit dem Drink, nach dem es mir schon seit mittags gelüstete. Lecker, aber nicht so wie vor ein paar Monaten. Es ist nicht schwer die Drinks nachzubauen, aber die zu diesem Zeitpunkt vorhandene Stimmung und die Geschmacksnerven trifft man meist nie. Mein Vorsatz „mehr Champagnercocktails trinken“ fiel mir da wieder ein. Meine Begleitung bestellte einen und ich probierte. Da war ein leicht seifiger Geschmack, der mir nicht so passte. Herr Ebert erklärte mir, dass da gar nix seifig sein kann und ich widersprach auch nicht. Ein ehrfürchtiges Schweigen an dieser Stelle. Herr Ebert ist für mich der Spock unter den Bartendern, unnahbar, klar, wissenschaftlich und faszinierend. Die Barjacken unterstreichen das noch, sie sind schwarz, schlicht mit der Knopfleiste hinten, ein wenig japanisch anmutend.

Ich bestellte einen „Seelbach“, den mag ich und ist außerdem mein Berlin Drink. Lecker und erinnert mich daran, dass das Immertreu um die Ecke ist. Bei mir ist alles um die Ecke, weil ich eine Orientierung wie eine Fledermaus habe, eine behinderte Fledermaus allerdings. Meine Begleitung hatte die gleiche Idee. Mittlerweile war es voll geworden und die Akustik schlecht. Ein bisschen frische Luft konnte auch nicht schaden, ich merkte schon relativ früh, dass ich an diesem Abend nicht so trinkfest war.

Weiter ging es durch die kühlende Nachtluft ins Immertreu. Klingeln und mein optisches Highlight öffnete die Tür. Meine arme Verabredung musste sich meine post-pubertären Schwärmereien für den schönsten Bartender seiner Altersklasse den ganzen Abend anhören und peinlicherweise auch der Bartender selbst. Und was soll ich sagen, der lächelt das alles charmant weg und denkt sich seinen Teil. Ein wirklich schöner Mann und für alle, die sich das noch nicht live anhören mussten folgt hier ein Loblied auf den Bartender, kenntlich gemacht als Absatz, für die, die es nicht interessiert ;).

Der Bartender sieht toll aus, ist super gebaut, sowas von wohlerzogen, sein Fachwissen ist umwerfend und dann hat der auch noch ein klangvolles Dupont Feuerzeug. Ich hatte übrigens nicht geraucht, aber vielleicht sollte ich damit anfangen, zumindest in dieser Bar, um meine Zigarette von ihm entflammt zu bekommen. Es ist herrlich sich mal wieder wie 20 zu fühlen und

ich wählte einen jungen „Greenpoint“ als nächsten Drink. Der Cocktail selbst ist erst 2005 als Twist eines Manhattan entstanden. Eigentlich war das mein Lieblingsgetränk im Parlour, geworfen von Keywan, aber ich nehme den Greenpoint auch gerührt. Eine leckere Variante und mit einem grünen Chatreuse zubereitet, nicht mit dem gelben wie es ursprünglich im Rezept steht. Das ist etwas verwirrend da Green ≠ Gelb, aber Yellowpoint auch kein Stadtteil von New York ist. Der nächste Drink wurde ein schöner „Gimlet“, den ich nicht fertig trank, da sich der Nebel des Alkohols verdichtete und ein sicherer Heimweg das höchste Gut meiner Ausflüge ist. Bezahlen, Taxi, Bett, so endete diese Bar Reise.

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