Die Entzauberung der Bugsy’s Bar

Die Entzauberung der Bugsy’s Bar

Ich hatte mich sehr auf ein Wiedersehen mit der Bugsy’s Bar gefreut und stand schon um 19 Uhr auf dem beschrifteten Pflaster vor dem Eingang. Erinnerungen zogen mich nach unten in den Kellerraum der Bar, die noch genauso aussieht wie vor 7 Jahren. Auch die Karte ist die gleiche geblieben und ich erinnere mich an die zahlreichen Drinks, die ich bereits versucht hatte. Der „After Five“, ein Grüntee-Gin-Gemisch war mir gut in Erinnerung geblieben und ich wählte ihn als leichten Start in den Abend. Leider war der Drink nicht nur leicht an Alkohol, sondern auch an Geschmack. Vor Jahren hatte ich einmal an einem Avokadodrink genippt, der mir im Gedächtnis geblieben war. Ein leckerer Nachtisch, der einem das Einfetten der Lippen ersparte. Auch hier die geschmackliche Intensität verschwunden. Oder war sie niemals da? Der Blick ans Rückbuffet war auch etwas ernüchternd. Die Spirituosenauswahl groß, aber voll der beherrschenden üblichen Markenspirituosen. Als der Bartender, den ich auch schon vor Jahren hier gesehen habe, die Käsesticks auf den Tisch stellt,  war es klar. Hier hat sich nichts verändert, die Bar war früher etwas neues, aber hat die Zeit in dem kleinen Keller wohl verschlafen.

Nach den ganzen süßen Fancy Drinks gelüstete es mir nach einem richtigen Drink. Allerdings erst nach dem Abendessen und wir reservierten schon mal für später. Gesagt getan! Allerdings wurde dadurch das Erlebnis im negativen Sinne noch abgerundet. Der „Sazerac“ war zu spritig, der Absinth kaum vorhanden und der Bartender vor meinen Augen so unkonzentriert und unpräzise, dass ich jederzeit damit rechnete etwas übergeschüttet zu bekommen. Die Sauberkeit lies außerdem etwas zu wünschen übrig. Meine Begleitung brachte es auf den Punkt: „Fortschreitende Verwahrlosung“. Meine Begeisterung für das Bugsys ist leider erloschen. Es tröstet mich allerdings, dass ich mich nach den vielen Jahren an Barbesuchen sehr weiterentwickelt habe, fachlich wie auch geschmacklich. Daher verabschiedete ich mich mit einer gewissen Leichtigkeit und stieg die Treppen der Vergangenheit hinauf in den anbrechenden neuen Prager Tag.

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