Diese Bars habe ich geschafft

Diese Bars habe ich geschafft

Hier gibt es noch ein bisschen mehr Text, Bilder und mein persönliches Ranking zu einigen Bars.

MABEL #1

Die erste Bar, die ich besucht habe, war die Bar MABEL. Geht man durch den Imbiss, der Grilled Cheese Sandwichs serviert, gelangt man in einen Raum, der eine Bar mit 6 Stühlen und einige Sessel und Sofas zum gemütlichen Versinken beherbergt. Der Stil ist klassisch mit Industriecharme. Am Eingang wurde ich freundlich begrüßt und da es noch früh ist, konnte ich meinen bevorzugten Platz an der Bar einnehmen. Ich fühlte mich sofort wohl und willkommen. Der Barhocker war sehr bequem und die Höhe der Bar sehr komfortabel und genau richtig, um einige Notizen in mein Buch zu machen. Die Spirituosen stechen sofort ins Auge und sind klassisch auf einer Flaschentreppe aufgereiht. Der Fokus liegt auf Rum und einige Schätzchen sind zu finden. Die Musik ist präsent, aber dezent, und ich schaute durch den Raum nach draußen in den ungemütlichen Regen. Genau so habe ich mir den Start in eine Barnacht vorgestellt. Neben der Cocktails Spirits ist gerade Summer Cocktailweek in Paris und es findet sich immer ein alkoholischer und nicht-alkoholischer Drink im Angebot. Ich schaue mir aber lieber die Karte an, die gut gegliedert und beschrieben ist. Die Kategorie „Routes des Rhums“ gefällt mir sehr gut. Allerdings bleibe ich bei den Drinks und starte mit einer Tiki Variante eines Martinez. Der „Makh Tihinez“ war ein guter Auftakt und schon sehr schmackhaft. Die Karte ist sehr verlockend und keine leichte Entscheidung. Ich fragte „Rum Runner“ Joseph, welchen Drink ich unbedingt probiert haben sollte. Ich wählte den Topseller „Nutty by Nature“, eine Art Milk Punch mit geklärter Nussmilch, erfrischendem Kokoswasser, Banane, Gewürzen und natürlich Rum. Ganz clever kommt der Drink schon vorbereitet in einem kleinen Fläschchen und einem Tumbler mit Eis. Joseph erklärt mir genau, was ich da trinke und die Empfehlung ist wirklich sehr komplex und lecker. So langsam merkte ich allerdings den Alkohol und hier kam der Imbiss ins Spiel. Die Käsesandwichs werden nämlich auch in der Bar serviert.

Hier bilden die üppigen, fettigen Käsesandwichs einen tollen Kontrast zu den feinen, filigranen Cocktails. Tolles Konzept!

Das Sandwich war lecker und ich war gerüstet für einen weiteren Drink. Der Greenpoint gehört zu meinen Lieblingen an der Bar, und so wählte ich einen „Sombre Detune“. Trocken, rauchig und mit spannenden Produkten zubereitet. Einmal findet sich hier der Santa Teresa Rum 1796 und zum anderen ein Blend der Whisky Compass Box, die ich bisher noch nicht in vielen Bars gesehen habe. Der Abend wurde immer gemütlicher und ich machte mich frei von dem Gedanken etwas zu verpassen und durch alle Bars durchhetzen zu müssen.

Wer 1.000 Kraniche faltet bekommt einen Wunsch von den Göttern erfüllt. Der Drink „Bamboo Crane“ wird mit einem selbstgefalteten Kranich serviert und war eine gelungene Wahl als letzten Drink in dieser Bar. Der Drink brachte die Power vom Nikka und die Süße vom PX. Ein großartiger Drink.

Diese Bar hat mich mit allen durchdachten Details und ausbalancierten Drinks nachhaltig beeindruckt und die Gastfreundschaft ist umwerfend.

Ich hatte einen großartigen Abend, tolle Sitznachbarn, habe gelernt, dass Greg Boehm die größte Sammlung an historischen Cocktailbüchern hat, habe die Visitenkarte des Lost in Grub Street entdeckt und mich über die Visitenkarten des Mabel gefreut, die haben nämlich Cocktailrezepte auf der Rückseite.

Le Syndicat #2

Nun zum Le Syndicat Organisation de Défense des Spiritueux Français wie diese Institution richtig heißt. Man findet kein Schild, aber eine Menge Poster und ein warmes Barlicht aus dem Inneren führt einen direkt hinein. Trashig, rockig, mit goldenen Vorhängen, Münzen in die Steine der Decke gedrückt, unverputzte Wände, so ist der erste Eindruck. Der Empfang ist herzlich und professionell. Es war zunächst kein Platz an der Bar direkt, aber nach ein paar Schlucken an einem der Tische konnte ich dann auf den Barhockern Platz nehmen und es mir gemütlich machen. Es war gerade eine Gastschicht von der Bar Hommage aus Stockholm. Die Drinks klangen gut und die Jungs sahen solide aus, aber nach meinem zweiten Getränk war ich echt voll. Ich hatte einen „Getting Tziky with Nut“, was beim Lesen der Zutaten ein sehr untypischer Barstalkerdrink ist, und wie schon erwähnt war er auch eine kleine Mahlzeit.

Wie kam es aber dazu? Als ich an der Bar meinen ersten Drink „Saix en Provence“ genoss, kam der Bartender zu mir und sprach mich auf Griechisch an. Er hatte gesehen, dass ich auf der Messe mit Gin Joint und Clumsies gesprochen hatte und nahm an, ich sei eine griechische Kollegin. Als ich dann noch auf mein Handy schaute und Alexander mir schrieb, dass ich Aris eine dicke Umarmung geben soll, da war klar, dass ich auch an diesem Drink nicht vorbeikomme. So traf ich also in Frankreich unverhofft wieder auf die griechische Gastfreundschaft und fühlte mich in der Bar pudelwohl.

Für mich ist das Wichtigste in einer Bar die Gastgeberqualität, und dass ich mich willkommen und wertgeschätzt fühle. Bravo 🙂

Little Red Door #3

Ich freute mich sehr Remy Savage in seiner eigenen Bar wiederzusehen. Er trug die gleiche schöne Schürze wie in Athen. Die Karte kannte ich ja bereits und wählte einen der Drinks, die ich noch nicht hatte. Die Idee und Umsetzung der Karte ist wunderbar, die Kreationen erreichen mich aber nach all den vorangegangenen Drinks nicht wirklich. Ich hätte mir besser einen Klassiker zaubern lassen, die sind nämlich hier großartig. Mein Alkoholpegel war allerdings recht hoch, so dass ein erfrischender Gin & Tonic angemessener erschien. Leider war der Abend dann auch schon vorbei. Die Bar war geputzt, die Schürzen abgelegt und es war Zeit zu gehen. Ich musste mich noch kurz auf einen der Barsessel setzen, die genauso bequem sind wie sie aussehen. An der Bastille sprang ich aus dem Taxi und lief noch ein paar Meter durch die Nacht zu meinem Hotel.

Remy gehört für mich übrigens zu den bestgekleideten Bartendern.

Danico #4

Nach dem Auftakt in der Bar Mabel ging es weiter in die erst seit ein paar Tagen eröffnete Bar DANICO von Nico de Soto. Diesmal durch ein italienisches Restaurant hindurch, an dessen Ende sich die Bar befindet. Das erste was mir auffiel waren die wahnsinnig hohen Decken, viele Spiegel und viele Streifen. Spontan erinnerte mich das Outfit der Bartender an Gondoliere in Venedig, sind aber eher an Gaultier angelehnt, ups. Die Bar ist klein, aber zweistöckig, sie ist wahnsinnig schick und wirkt etwas unpersönlich auf mich. Das aber wird alles überstrahlt durch die heiße Erscheinung von Nico de Soto. Eine wahre Augenweide, aber ich riss mich los und warf einen Blick in die Karte. Beim ersten Besuch war ich übrigens so abgelenkt und die Bar so voll, dass ich erst bei meinem zweiten Besuch probierte.

Barshows sind keine gute Gelegenheit den Charakter einer Bar kennenzulernen, dazu reist man besser an ruhigeren Tagen an.

Das habe ich auf jeden Fall vor, denn ich will hier keiner Bar unrecht tun. Ich probierte von der Karte zwei sehr unterschiedliche Drinks. Zuerst den „Sayonara, Motherfucker“ und dann den „Controlelamousse“ mit einem Eisbarren aus geklärter Tomate. Beide sehr interessant.

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