Fuglen – am Tag Kaffee, in der Nacht Bar

Fuglen – am Tag Kaffee, in der Nacht Bar

Neben Bars besuche ich auf meinen Reisen auch Kaffees der Third Coffee Wave Generation sehr gerne. In Norwegen wird sehr viel Kaffee getrunken und Oslo ist ein Mekka für Kaffeegenießer. Bei meiner Suche nach entsprechenden Lokalitäten fand ich das Fuglen. Das Kaffee verwandelt sich am Abend in eine Art Speakeasy Bar und bietet innovative Cocktailkreationen. Coffee ’n‘ Cocktails, eine ausgezeichnete Mischung!

Man taucht beim Betreten des Kaffees sofort in die 60er Jahre ein. Das ist nicht ganz überraschend, denn diesen Ort gibt es bereits seit 1963. Die Gemütlichkeit eines Wohnzimmers mit vielen Vintage Sitzmöbeln verteilen sich auf drei Räume. Ein solider Linoleumboden, dunkles Holz, eine Jukebox und viel Dekoration unterstreichen das Design. Schaut man sich die Objekte genauer an, dann entdeckt man kleine Preisschilder. Hier vereinen sich Kaffee, Bar und ein kleiner Laden für Vintage Möbel.

Ich blieb gleich im vorderen Bereich, wo der Kaffee und später die Drinks zubereitet werden. Es gibt keinen klassischen Bartresen, dafür findet man entlang der Fensterfront auf gemütlichen Barhockern seinen Platz. Ich machte es mir an einer Ecke bequem und konnte sowohl das Geschehen draußen, als auch drinnen beobachten. Es war bereits gegen 19 Uhr und ich bestellte einen Kaffee. Ich liebe es, wenn man später am Abend noch einen delikaten Kaffee bekommt. Die Atmosphäre war sehr entspannt und freundlich. Groovy Calypsoklänge beschwingten und passten perfekt zum gesamten Konzept. Das Barteam fing an vom Tagesgeschäft zum nächtlichen Barbetrieb umzustellen. Ich beobachtete neugierig die Vorbereitungen.

Hinter dem ganzen Barista Zubehör versteckt sich ganz „speakeasy“ eine kleine Bar.

Die Spirituosen verteilen sich in den antiken Schränken hinter der Theke. Ich entdeckte einige Flaschen mit hausgemachten selbstgemachte Sirupen und Infusionen, und freue mich schon auf die Kreationen. Auf den Schränken finden sich zahlreiche Auszeichnungen für Baristakunst und einen Linie Award aus dem Jahr 2011. Die Cocktailkarten befinden sich auf Klemmbrettern, die dekorativ an der Wand angebracht sind. Es gibt eine Karte zum Daytime Drinking, deren Drinks aber nicht gerade leicht erscheinen. Die aktuelle Sommerkarte listete acht innovative Cocktails. Aquavit und selbstgemachte Zutaten stachen mir sofort ins Auge. Besonders gut gefiel mir die Erwähnung, ob ein Drink gerührt, geschüttelt, oder im Glas gebaut wird. Auch die Gläserform wird erwähnt. Ich finde das einen guten Hinweis auf die Art und Stärke des Getränks.

Es wurde Zeit für die erste Bestellung. Diese plaziert man direkt vor dem Tresen und kann dann die Zubereitung des gewählten Cocktails von A bis Z verfolgen. Der Arbeitsplatz entspricht der Größe eines Schneidebretts und wirkt nicht so funktional. Ich finde aber die ungewohnte Nähe zum Bartender angenehm und sehr kommunikativ. Die Bartender sind entspannt und lässig, aber gleichzeitig sehr aufmerksam und herzlich. Geshakt wird im Rhythmus der Musik, einhändig und auch mal zweihändig.

Ich wählte als ersten Drink Cuckoo’s Nest und konnte gleich nachfragen was „wood sorrels“ ist. Ich bekam umgehend eine Kostprobe eines kleinen Pflänzchens, deren Blätterform eindeutig auf Klee hinwies. Die säuerliche Note fand ich dann auch in meinem Drink wieder. Dieser war wundervoll ausgewogen. Die mit einem großen japanischen Messer, direkt vor meinen Augen, kleingehackte Gurke landete im Shaker und gab dem Gemisch viel Frische. Als Basis diente ein Aquavit der Marke Lysholm No. 52, der mit seinen Anis- und Kümmelnoten, aber vor allem durch den Ingwer eine schöne Würze mitbrachte. Essig und Salz rundeten das Ganze ab.

Für den kleinen Raum sind die Drinks sehr gut durchdacht und die Zubereitung geht schnell. Die Gläser werden mit Eiswasser vorgekühlt und haben alle eine etwas wärmere Temperatur. Je später der Abend wurde, desto länger wurde auch die Schlange vor der Bar. Das eingespielte Team hinter der Bar blieb davon unbeeindruckt. Meine zweite Wahl fiel auf den Brutal Barista. Ich wollte nun Kaffee in meinem Cocktail. Zusammen mit dem Wermut und Campari ergab das eine geschmackvolle Komposition.

Eine harmonische Mischung aus Kaffee und Cocktails serviert in einer entspannten Atmosphäre.

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