Gin Sul meets Sieferle & Sailer

Gin Sul meets Sieferle & Sailer

Raus aus der Stadt und nach Südwesten Richtung Heimat, um den Garten der Eltern während des Urlaubs zu versorgen. Eine Woche den Arbeitsplatz in der sonnigen Pfalz und rund herum verlockende Bars. Glücklicherweise fand bereits an meinem Ankunftstag ein Gin Sul Event in der Sieferle & Sailer Bar in Mannheim statt. Toller Gin, toller Veranstalter, eine neue Bar in meiner alten Heimat erkunden, das Leben kann so entspannt sein.

Die Sieferle & Sailer Bar liegt im Jungbuschviertel, ein ehemaliges Handelshafengebiet und mittlerweile der Hipsterbezirk Mannheims mit Restaurants und Trinkstätten. Von weitem sah ich schon den Gin Sul Bulli, direkt aus Hamburg hatte er seinen längsten Weg bisher angetreten. Ich parkte und stieg voller Vorfreude aus. Der Empfang war herzlich und ich hatte gleich einen Gin & Tonic in der Hand. Ich mag den Gin Sul sehr gerne und ich mag auch die Geschichte dahinter. Ich selbst hatte sehr schöne Erlebnisse in Portugal und dieses portugisiesche Gefühl von Saudade passt perfekt zum Gefühl meines Heimaturlaubs. Irgendwie habe ich Heimweh, aber mittlerweile fühle ich mich auch in Berlin zu Hause, Wehmut ist aber immer dabei. Nachdem ich jetzt auch noch einen Blick in die Sieferle & Sailer Bar geworfen habe, da gäbe es tatsächlich einen guten Grund wieder zurückzukommen.

Zunächst hatte mich aber Roger erst mal Paul Sieferle vorgestellt, einer der gut frisierten Köpfe hinter der Bar. Er gab mir eine komplette Führung durch die Bar, erklärte mir Karte, Inneneinrichtung und Konzept.

Ich fragte danach, wie die Mannheimer die Bar aufnehmen. Ich würde mal sagen die Barkultur etabliert sich genau an diesem Ort.

Meine Kriterien einer guten Bar sind voll erfüllt. Es gibt als Allererstes eine Klingel, also auch einen persönlichen Empfang. Die Bar hat 25 Plätze, ein Trinken in „zweiter Reihe“ gibt es nicht. Ich war bereits am frühen Abend wegen des Gin Sul Events da. Die Hauptzutat der Drinks war selbstverständlich Gin Sul an diesem Tag. Daher erzähle ich an dieser Stelle über die Barkarte, die Spirituosen und vor allem über das einmalige und ungewöhnliche Sitzgefühl. Gepflegte Bärte, Herrenfrisuren aus vergangen Zeiten, ein Barbershop findet sich Tür an Tür zur Bar. Hier wirkt Marco Sailer, der beste Barbier Deutschlands und die andere Hälfte des Barnamens. Die Barkarte hat DIN A3 Format und wurde vom Tätowierer Clemens Hahn gezeichnet. Die Namen der Haarschnitte aus dem Barbershop finden hier ihre Zutaten als Drinks. Diese Karte ist liebevoll und individuell mit vielen Details gestaltet, und dabei einfach und leicht verständlich. Ein kleines Kunstwerk, das leider nicht in die Handtasche passt 😉

Bei den verwendeten Spirituosen liegt der Schwerpunkt auf Bourbon und Mezcal, aber auch viele lokale Produkte aus der Heimat von Paul Sieferle, etwas 150 km weiter südlich von Mannheim. Man erkennt in den Zutaten sofort die klassische Basis der Kreationen und kann gespannt sein auf die eigene Interpretationen. Die versuche ich bei meinem nächsten Besuch in dieser Woche. Ich fühlte mich nämlich sofort beim Betreten der Bar heimisch und willkommen. Ein intimer länglicher Barraum, Beton, schwarze Fliesen, warme und gemütliche Beleuchtung.

Das Kernstück ist die Bar im 50er Style mit einer schwarzen glänzenden Platte. Die Barhocker passen perfekt dazu. Ich verbringe viel Zeit in Bars 😉 , deshalb ist mir der Sitzkomfort besonders wichtig. Hier sitzt man nicht nur bequem, sondern auch etwas tiefer und gefühlt stabiler. Was mir aber nicht sofort aufgefallen ist, sondern erst als der Bartender vor mir stand, war der Abstand zwischen ihm und mir. Die Getränke werden direkt auf der Bar zubereitet, daher fehlt der Abstand der vorgelagerten Mixstation. Angesicht zu Angesicht steht da also der Bartender, rührt seinen Drink und platziert den Drink ohne große Anstrengung direkt vor einem. Ergonomisches und effizientes Arbeiten zum einen, aber zum anderen eine sehr ungewöhnliche Intimität. Das ungewöhnliche Format erfordert auch eine Menge Spezialanfertigungen hinter der Bar. Das Standardequipment passt nicht zu einer tieferen und schmaleren Bar. Diese Bar, dieses Konzept ist bis ins kleinste Detail durchdacht, die Stoffdeckchen für die Drinks, die gerollten Handtücher auf der Toilette, die Flaschen an den alten Fleischerhaken des Lebensmittelladens, der hier vorher war, die Details auf den Regalen hinter der Bar.

Seriöses Trinken war in Mannheim bisher schwer zu finden. Die ersten Versuche wurden nicht verstanden und nicht angenommen. Sieferle & Sailer liegt etwas abseits, so dass sie von der trinkfreudigen Laufkundschaft verschont bleiben. Die Gäste kommen gezielt und finden eine tolle Bar, einen aufmerksamen, freundschaftlichen und stilvollen Service. Die Nähe am Gast unterstützt perfekt die Beratung und Akzeptanz ernsthafter Cocktails.

Mittlerweile liegt der Fokus auf Bars außerhalb der Metropolen. Spot an für Mannheim. Auf der aktuellen Longlist des Mixology Awards sind die Jungs bereits als Neue Bar vertreten, und auch die Barkarte findet hier ihren berechtigten Platz.

Fortsetzung folgt.

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