Nachts in Tokio – Gastbeitrag

Nachts in Tokio – Gastbeitrag

Kürzlich wurde ich nach Bar-Empfehlungen für Tokio gefragt. Selbst war ich bisher noch nicht in Japan, aber ich wüsste schon genau, in welche Bars ich gehen würde. Begleitet mich auf eine Reise in “das Land des Lächelns” durch die Augen und den Gaumen von Katja.

Wer steckt hinter dem Instagram Profil innominateart, dem solo travel girl, artist und Reiseblogger mit kreativer Ader? Mich haben sofort die tollen Fotografien beeindruckt und dann weiter auf die Webseite “So Geht Urlaub!” geführt. Jetzt wollte ich wissen, wer ist diese Person hinter dem Profil, wie hat ihr meine Empfehlung gefallen und was hat sie getrunken. Ich war gespannt! Und hier ist ihr Abenteuer.


Ich bin Katja, Wahl-Hamburgerin und im besten Alter. Unter dem Motto „Wer die Schätze der Welt finden möchte, muss die Ferne zu seiner Heimat werden lassen„ versuche ich auf meinen Reisen immer ein Stück weit mehr hinter die Kulissen fremder Kulturen zu blicken. So besuche ich gern auch landestypische Restaurants, Bars und Locations, in denen man fast nur Einheimische finden würde. Der perfekte Travelbuddy fehlt mir leider noch, und auch so richtige Cocktail-Schlürfer kenne ich nur einen in meinem Umfeld. Folglich bin ich häufig allein unterwegs, was aber keinesfalls die Stimmung drückt, denn ungeplante und unerwartete Ausflüge werden ja bekanntlich die schönsten.

Heute möchte ich hier meine Erfahrungen zur Barszene in Tokio teilen. Ich war alleine unterwegs, was im Gegenzug zu anderen Metropolen kein Nachteil war! Egal wo ich war, man hat mich als vollwertigen Gast behandelt, bedient und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass man mich loswerden wollte.

Mixology Laboratory – Versteckt, sehr versteckt, am Verstecktesten

Weder ein Hinweis, noch ein Schild am Eingang, an der Hausfassade, nicht mal eins auf Japanisch. Die Beschreibung im Internet unklar, selbst auf der offiziellen Website. Eine Bar zum „nicht-gefunden-werden-wollen”? Das Gebäude selbst erscheint überhaupt nicht einladend, schon gleich nicht für eine Dame allein unterwegs. Endlich angekommen wurde ich äußerst lieb und persönlich an der Tür empfangen. Mir wurde die Jacke abgenommen, ich wurde an einen freien Platz begleitet und mir wurde der Stuhl zurecht geschoben. Danach gab es einen wohltemperierten, parfümierten, feuchten Waschlappen für die Hände und das Gesicht. Die Variationen, was die Gäste damit taten, schienen unendlich. Automatisch gab es ein Glas Wasser, welches unaufgefordert nachgefüllt wurde.

Ich zählte 25 Sitzplätze insgesamt und es darf geraucht werden. Mein Platz war am Tresen und vor mir stand eine beträchtliche Gin Sammlung. Neben Cocktails werden auch Snacks wie Wagyu-Steak und Ibero-Schinken in einer kleinen Mini-Kochzeile zubereitet. Was mir besonders gefallen hat war die Ruhe und Gemütlichkeit, die diese Bar ausstrahlt. Zeitweise war der Laden bis zum letzten Platz besetzt, aber dennoch war es gemütlich und ruhig. Auch der Service, weder aufgeregt, noch aufdringlich.

Die Cocktailkarte ist übersichtlich und listet ausgefallene Kreationen. Auf den ersten Blick erscheinen die Preise angemessen, doch die Portionen sind wesentlich kleiner als bei uns. Ich entschied mich für den Nursery Rhyme mit Williams Christ Birne, Mandel Cointreau, Pineapple Cordial und Sahne für umgerechnet ca. 15,55€ (Kurs November 2019). Süßlich, fruchtig, geringe Alkoholnote und mein Favorit des Abends. Meine zweite Wahl überließ ich dem Bartender. Er wählte wieder Sahne und präsentierte mir einen American Cheesecake. Der Drink war fruchtig-säuerlich, trotz der Sahne und sehr alkoholisch. Exakt der Geschmack eines American Cheesecake, sehr gut eingefangen. “Aller guten Dinge sind drei” und ich fragte nach einer weiteren Mixtur. Leider eine Enttäuschung. Ein unaussprechlicher japanischer Tee als Grundlage und der Rest, neben der Sahne, nicht herauszuschmecken. Dem Geruch nach hätte ich auf Holunder, Korn, vielleicht auch Wermut getippt, allerdings hat es mit der Sahne jedoch null zusammengepasst. Es hatte was von Schokolade und Frucht, die in meinem Geschmacksverständnis mehr anecken als sich gemeinsam zu beflügeln. Im Nachgang hatte es eine sehr starke Note nach Ledergürtel und eine künstliche Süße. Die Rechnung für alle drei Cocktails lag bei 60 €, die in meinen Augen gut investiert waren.

Bar High Five – Ein Wallfahrtsort für Cocktail-Liebhaber

Im Gegensatz zum Mixology Laboratory ist die Bar High Five kinderleicht zu finden. Entgegen der Onlinebewertungen liegt sie auch nicht in einer Gasse, in welche man sich nicht rein trauen würde. Ein Aufsteller weist den Weg und ein kleiner Fahrstuhl befördert einen ins Untergeschoss. Definitiv nichts für Leute mit Platzangst, weder im Aufzug, noch die Bar selbst.

Unten angekommen, weist ein Schild darauf hin zu warten, bis man zum Tisch geleitet wird. Das Personal empfängt einen auch hier persönlich und gibt erste Infos zur Bar an sich. In meinem Fall, dass es eine Cover Charge von 1000¥ gibt. Dies ist eine Art Eintrittsgebühr, die auf den ersten Blick unattraktiv erscheint, aber bei der Größe der Bar verständlich ist. Ich zählte ungefähr 22 Sitzplätze an Tresen und Tischen.

Das Abenteuer begann wieder mit dem Abnehmen meines Mantels, welcher nicht an eine öffentliche Garderobe gehangen wurde, sondern im Nebenzimmer verschwand. Es folgte eine Erfrischung in Form eines feuchten Lappens und stilles Wasser. Auch hier darf man rauchen. Die Barstühle waren weniger bequem und bei meinem Besuch war es sehr laut und wuselig. Eine eher ungemütliche Atmosphäre im Vergleich zu meinem vorherigen Erlebnis.

Eine Getränkekarte gibt es nicht. Der Bartender fragt einen zu Beginn über den eigenen Geschmack und Vorlieben aus. Danach bekommt man einen Cocktail entsprechend seiner Vorlieben serviert. Ich hatte insgesamt zwei Cocktails und bin, wie schon in der Bar zuvor, bei fruchtig – süß mit Sahne geblieben.

Der erste mit Sahne, Apricot Brandy und Pfirsich. Der Alkohol war perfekt versteckt und nicht dominant. Ein sehr guter Schluck, denn auch hier ist die Portionsgröße übersichtlich. Sahnige Drink sind aufgrund der Größe nicht ganz so üppig wie in Deutschland und so folgte Cocktail Nummer Zwei mit White Chocolate Likör, Liquor 43, Sahne und Himbeere. Er schmeckte wie Himbeerjoghurt mit einem leichten Schuss Alkohol. Beide Cocktails haben überzeugt und 37 € gekostet (inkl. der Cover Charge).

Schönes Extra: In der Bar High Five bekommt man zum ersten Drink einen Minihappen serviert. Ich hatte einen Cracker mit Käse. Dazu wird ein Schälchen mit Nuss- und Knabbervariationen gereicht, welches umgehend nachgefüllt wird, sobald man es vernascht hat. Barfood gibt es ansonsten nicht.

Fazit: Alles in allem ebenfalls eine nette Location; mir persönlich zu wuselig und laut.


Vielen lieben Dank Katja für den tollen Bericht 🙂 Text und Bilder wurden mir von Katja bereit gestellt, alle Rechte gehören demnach ihr.

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