Singapur – Eine Stadtführung in flüssiger Form

Singapur – Eine Stadtführung in flüssiger Form

Stadtführung in liquider Form gefällig? Drei Bars bringen mit lokalen Konzepten die “Stadt der Löwen” ins Glas. Singapur ist derzeit eines der spannendsten Reiseziele für Cocktail & Food Enthusiasten. Exzellente Bars treffen auf mit Michelin-Sternen ausgezeichnete Garküchen. Eine Stadt der Superlative.

Der Stadt- und Inselstaat ist ein Schmelztiegel der Kulturen, Gewürze und Geschmäcker. Jung, dynamisch und extrem sauber. Einheimische wie auch Gäste legen großen Wert auf Qualität. Seit Jahren boomt die Bar-Szene. Singapur hat eine der fortschrittlichsten Bar-Szenen der Welt. Sie ist eng vernetzt, weltoffen und umweltbewusst. Die breite Palette an Nationalitäten führt zu erhöhtem Einfallsreichtum und resultiert in kreativen Konzepten. Begleitet mich auf eine geistreiche Reise durch die Geschichte, die Flora & Fauna und die Spirituosenwelt Singapurs.

Origin Bar würdigt Singapurs Stadtteile mit exquisiten Cocktails

Stadtführung in flüssiger Form gefällig? Hereinspaziert in die Origin Bar des Shangri-La Hotels. Dunkelblaue Wände und imposante Deckenbögen trennen den Sitzbereich vom üppig bestückten Rückbuffet. Bei genauerer Betrachtung fällt auf: Die Bar ähnelt einem Ticketschalter und der Sitzbereich einer Wartehalle. Ein alter Bahnhof im Stil der Kolonialzeit diente der Inneneinrichtung als Vorbild. Das Reisemotto pflanzt sich in der Cocktailkarte fort. Das Konzept der Origin Bar dreht sich um eine Entdeckungsreise der fünf wichtigsten Stadtteile Singapurs: Orchard Road, Chinatown, Little India, Boat Quay und Marina Bay. Jeder Cocktail spiegelt die typischen Aromen und Farben der Bezirke wider. Ich habe mich mit Adam Bursik, gebürtiger Slowake und Bar-Manager des Origin unterhalten. Vor drei Jahren kam er nach Singapur, um die Welt der Aromen und Farben Asiens zu erkunden.

Die Fülle an frischen und reifen Produkten, die Gewürzvielfalt und die Geschichte Singapurs vereinigen sich in der Getränkekarte “Discovery, Craftsmanship, Journey”. Entdeckung, Handwerk und Reise, das haben Bursik und sein Team im Glas festgehalten.

Alle an Bord? Es ist an der Zeit einen Drink zu bestellen. Ganz dem aktuellen Zeitgeist „Sobriety“, auf Deutsch „Feier der Nüchternheit“ entsprechend, finden sich je Stadtteil drei alkoholische und zwei nicht-alkoholische Cocktails auf der Karte. Ein überraschend ausgewogenes Verhältnis. Ich startete mit dem Namensvetter der Bar. „Origin“ ist eine ausbalancierte, leicht pfeffrige Mischung aus Gin, infusionierter gegrillten Ananas, Zuckerrohr, Limettenwein, Muskatnuss und Pfeffer. Der Cocktail aus dem Distrikt Orchard Road nimmt Bezug auf die Orchard Road Plantagen, wo einst Muskatnuss und Pfeffer angebaut wurden.

Den Milk Punch aus dem Stadtteil Little India wollte ich mir nicht entgehen lassen. Im Ma-Sa-La Cocktail vereinen sich Masala Gewürz, Single Malt Whisky, Gin, Zitrone und wird anschließend mit Milch geklärt. Das Ergebnis wird glasklar serviert. Die perfekte Mischung aus angesagter Herstellungstechnik und traditionellem indischem Geschmackserlebnis. Neben den exzellenten Getränken zählt Origins Rum Auswahl, mit über 350 Flaschen aus knapp 40 Länder und Rums in limitierter Auflage, heute zu den größten der Region. Für den kleinen Hunger wird klassisches Barfood serviert und am Wochenende gibt es regelmäßig Livemusik für die Ohren.

http://www.shangri-la.com/singapore/shangrila/dining/bars-lounges/origin-bar/


Nutmeg & Clove betont Singapurs Flora & Fauna in liquider Form

Das Nutmeg & Clove befindet sich im ersten Stockwerk eines Gebäudes, welches früher eine traditionelle chinesische Arztpraxis war. Die Medizinschränkchen sind geblieben, doch anstelle von Tinkturen werden nun Cocktails gemischt. Das Interieur besticht durch dunkle Holzvertäfelung, antike Möbel und bunte Farbelemente. Stylish und traditionell zugleich.

Das Konzept der Getränkekarte von Nutmeg & Clove ist in der Flora und Fauna von Singapur verwurzelt. Als Inspiration diente die Sammlung naturhistorischer Zeichnungen von William Farquhar, dem ersten britische Einwohner und Kommandant des kolonialen Singapur.

Eine Cocktailkarte, die lokale Zutaten und Inspirationen nutzt? Klingt bekannt. Adam Bursik, Bar-Manager der Origin Bar war zuvor hier tätig. Das Menü unterteilt sich in sechs Abschnitte: Obst, Flora, Fauna, Kräuter, Gewürze und Gemüse & Nüsse. Jede Eigenkreation ist eine Hommage an einen klassischen Cocktail. Auf keinen Fall sollte man sich den „Slinging Lion” entgehen lassen. Ein einfallsreich umgesetzter Twist auf den „Singapore Sling“, der weithin als Nationalgetränk Singapurs angesehen wird. Der fassgelagerte Mix besteht aus ananas-infusioniertem Gin, Cointreau, Benedictine, und Cherry Heering. Abgerundet wird die Mischung mit Hibiskus, eine für Singapur typische Pflanze, die Balkone und Gärten schmückt. Serviert in einem Porzellanbecher, wird der “Slinging Lion” als krönender Abschluss vor den Augen des Gastes mit einer ordentlichen Portion grünen Chartreuse flambiert. Zu den Drinks reicht das sympathische Bar-Team kleine Bar-Food-Häppchen.

https://nutmegandclove.com.sg/


Native feiert Craft Spirits aus Asien mit ungewöhnlichen Cocktail-Kreationen

Native bedeutet “einheimisch” und der Name ist Programm. Regionale Spirituosen, außergewöhnliche Trinkzubereitungen, Fairtrade und Nachhaltigkeit sind die Ideale der Bar. “Durch die vielen Expats in Singapur sind viele Nationalitäten vertreten. Es gibt zahlreiche Konzepte, aber keines setzte bisher lokale Produkte in Szene” berichtet Native Gründer Vijay Mudaliar. Seit Ende 2016 kann man sich im Native auf eine Entdeckungsreise durch die alkoholische Welt Asiens machen. Ob indischer, taiwanesischer Whisky, japanischer Rum oder Schnaps aus Goa, das Sortiment wächst beständig.

Dunkle Stufen führen in die Bar. Unverputzte Wände, Holz und Stein fügen sich zu einer entspannten und warmen Atmosphäre zusammen. Vom Graffiti im Treppenaufgang über die Einrichtung, Gefäße, Kerzen, Schürzen bis hin zur Musik kommt alles von lokalen Künstlern und Handwerkern. Umweltbewusstsein und Abfallvermeidung ist im Native gelebter Alltag. Es gibt kein Plastik, auf Zitrusfrüchte wird verzichtet und getrocknete Blätter dienen als Untersetzer.

Rotationsverdampfer, Fermentation und insbesondere Foreaging werden als Cocktail-Techniken eingesetzt. Analog der „Nose to Tail“ Verwertung lautet die Devise „Vom Garten ins Glas”. Inspiriert von einem Gericht des brasilianischen Spitzenkochs Alex Atala, der seine Speisen gerne mit Insekten würzt, wird der Signature-Drink “Antz” mutig mit Ameisen serviert. Aufmerksam und charmant begleiten die Bartender ihre Gäste durch den Abend.

Die ungewöhnlichen Zutaten und die unbekannten Spirituosen erfordern eine nähere Erläuterung. Storytelling und die Kommunikation zwischen Gast und Mixologe sind maßgeblicher Bestandteil des Service. “Egal wie voll es ist. Jeder Besucher bekommt eine Erklärung zu seinem Getränk”, erklärte mir der Bartender.

Ein bemerkenswertes Projekt ohne Kompromisse. Es gibt keine Klassiker, die kann man in jeder anderen Bar trinken. Im Native serviert man zeitgemäße Craft Cocktails und ein authentisches, lokales Trinkerlebnis.

http://tribenative.com/

 

 

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