Teil 2 – Zwei Bars, Zwei Negronis, ein einzigartiges Erlebnis

Teil 2  – Zwei Bars, Zwei Negronis, ein einzigartiges Erlebnis

Little Link

Nachdem ich die zauberhafte Barwelt des Seiberts verlassen hatte, ging es die Straße entlang Richtung Little Link. In Köln sind alle Bars in Laufweite erreichbar. Aus der Ferne sah ich schon das Schild leuchten, ein paar Leute saßen noch draußen und ich warf einen Blick durch die offenen Fenster hinein in die Bar. Ich betrat den Raum und unterschiedlicher könnte der Kontrast zur Märchenwelt vorher nicht sein. Metall, Beton, viele unterschiedliche Materialien, schwarze Barhocker. Ich fand mich in einer eher technischen Welt wieder. Der Tresen wird indirekt von unten durch die Bleche erleuchtet. Hier findet sich das Logo und der Name ausgestanzt. Die Mixstationen sind auffällig groß und das Rückbuffet opulent bestückt. Die Tische und Hocker im Raum haben alle Barhöhe und bilden eine harmonische Ebene. Die Materialien der Wände sind unterschiedlich, aber alle miteinander sinnvoll „verlinkt“. Der Name der Bar steht für die Verbindung „zwischen klassisch und modern, edel und lässig, Mensch und Mensch, aber auch zwischen Küche und Bar“, unter http://www.littlelink.de/ (abgerufen am 01.09.2016).

Ein Glas Wasser stand sofort vor mir und ich bekam die Karte gereicht. Der Bartender trug ein kariertes Hemd und eine Schürze. Einheitliche Kleidung wirkt immer sehr beruhigend auf mich. Die schwarze Karte, der sogenannte Menupass in Form eines Reisepasses, führt auf eine Reise in verschiedene Länder. Mein United Gindom T-Shirt, welches eigentlich ein Geschenk von Stephan Hinz an Ricardo Albrecht war und mir aber viel besser passte 😉 , trug ich bereits bei meiner Einreise nach Köln. Es finden sich aber noch weitere erdachte Länder wie Republica Exotica & Tiki Island, die Highball Highlands und auch das Dry Country auf der Karte. Das Barfood sieht sehr verlockend und lecker aus, ich war aber zu konzentriert auf die Getränke. Zunächst landete ich aber in Avantgardistan, den Signature Drinks from the Future. Vorne betritt man eine stylische Bar, aber hinter den Kulissen werden die Spirituosen und Zutaten in ihre Bestandteile zerlegt und wieder zusammengesetzt, mit Hilfe der technischen Möglichkeiten aus der Sterneküche. Sous-Vide, Cold Drip, Fat Washing, Rotationsverdampfer sind soweit bekannt, aber man misst hier auch die ph-Werte der Zitrusfrüchte und baut die verwendeten Kräuter selbst an. Alles ist bis ins kleinste Detail durchdacht, um eine beständige Qualität und Verfügbarkeit zu gewährleisten. Als mich Stephan hinter die Kulissen führte, da gab es viel zu bestaunen. Es wurde mir ganz schnell klar, dass hier sehr professionell und wissenschaftlich gearbeitet wird, aber die Liebe zu den Produkten präsent ist, und der eigentliche Auftrag oder Sinn, dem Gast einen Cocktail zu bereiten nicht vergessen ist. Sitzt man nämlich wieder auf seinem Barhocker und schaut man in die Karte, dann wundert man sich vielleicht über die ungewöhnlichen Zutaten und Kombinationen, macht sich aber keine Gedanken darüber, wie die zustande gekommen sind. Es steckt unglaublich viel Arbeit und persönlicher Einsatz dahinter, mit einer großen Portion Leidenschaft. Parmesan, Salbei, Banane mit ordentlich Rum, der King Louie schmeckte genau danach, war erfrischend und lecker. Die komplette Karte kann man sich hier ansehen.

Neben dem Labor und dem Barraum gibt es im Keller noch einen weiteren Raum mit einer großen Tafel, dem Linked Table. Die Cocktailkunst GmbH, die neben Catering auch regelmäßige Events anbietet, nutzt diesen Raum für die Veranstaltungen. Ein gemütliches Kellergewölbe, dass auch zu privaten Anlässen gemietet werden kann. Auch hier führte mich Stephan Hinz herum und ich betrachte diesen jungen Mann genauer. Noch nicht mal 30 Jahre alt, mit eigener Agentur, Bar, Buch, einer eigenen Gläserkollektion, das ist wirklich beeindruckend. Dabei ist er bodenständig, unglaublich sympathisch und herzlich. Ich hatte ihn das erste Mal auf der Barshow in Oslo getroffen und ihm schon meinen Besuch „angedroht“.

Es vereinen sich hier Gastgeber und Ernährungswissenschaftler wie selbstverständlich miteinander.

Das waren ganz schön viele Eindrücke an diesem Abend, und wie schafft man nun von der Märchenwelt des Seiberts den „Link“ hierher. Ganz klar, mit einem Little Link Negroni. Das war dann der zweite Negroni des Abends. Gin, Campari und Little Link Wermut-Blend bilden auch hier einen harmonischeren Negroni als gewöhnlich. Beeindruckend war der Eiswürfel, da waren die beiden L des Logos mitten im Eiswürfel. Kein Branding, sondern eher kleine Bläschen. Das Geheimnis hat mir Stephan nicht verraten. Übrigens sind hier die Toiletten auch eine Reise wert und danach fühlt man sich unbewusst so sexy. Als ich ein Foto machte, da fand ich im oberen Bildrand den Grund dafür.

Fazit meiner beiden Barbesuche: Wenn viel Technik dahintersteckt, dann ist noch viel mehr Liebe davor. Eine Bar ist eine Bar und ein Labor ist ein Labor. Der Gast bleibt unbehelligt.

Zwei Bars an diesem Abend, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber die Leidenschaft und Liebe zu ihrer Handwerkskunst verbindet beide.

Wer soll Deutschlands Barkeeper des Jahres 2016 werden? Die Finalisten dieser Kategorie sind hauptberuflich als Barkeeper tätig und zeigen im täglichen Business Kreativität, Professionalität und Engagement. Innovation in ihren eigenen Kreationen und Charme bei der Gästebetreuung sind dabei ebenso Kriterien.

Für mich liegt die Entscheidung ganz klar bei Köln, der vielleicht heimlichen Hauptstadt der Bars.

Fast bin ich am Ende meiner Geburtstagsgeschichte angelangt. Ich schaffte es noch den Newcomer Max Bergfried zu besuchen. Bei seiner Gastschicht im Hagestolz hatte ich ihn das erste Mal getroffen, und hoffe, dass er so nett bleibt und nicht wie andere prämierte Bartender vor lauter Hochnäsigkeit nicht mehr die andere Seite der Bar sehen. Noch ist er im Spirits zu finden, aber bald geht es auch für ihn weiter. Meine Trinkkapazität des Abends war allerdings so erschöpft, dass ich im Spirits nur noch ein Bier und einen Bourbon hatte. Glücklich verabschiedete ich mich und kehrte zurück nach Berlin. Was ein traumhafter Geburtstag!!!

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