The Kinly und Roomers – ein berauschender Ausflug nach Frankfurt

The Kinly und Roomers – ein berauschender Ausflug nach Frankfurt

The Kinly

Die Kinly Bar gefiel mir bereits bei meinem ersten Besuch und war auch heute der erste Anlaufpunkt. Der raue Charme der Barcrew und die Atmosphäre eines Saloons stehen im Kontrast zu den filigranen Drinks auf der Karte. Der Weg vom Hauptbahnhof zur Elbestraße ist kurz und nichts für schwache Gemüter und empfindliche Nasen. Ein interessanter Kontrast zu der Frankfurter Schickeria, die man weiter Richtung Oper findet.

Ich klingelte und stieg die Treppen hinab. Ein Braunfilter schob sich vor die Linse und ich fühlte mich etwas wie im Wilden Westen. Ich nahm an der kleinen Bar im hinteren Bereich des Gewölbekellers Platz. Der Tresen gleicht eher einem großen Holztisch und ist auch etwas tiefer. Gast und Bartender teilen sich eine große Tischplatte. Ein Reihe von Shakern und Gefäßen bilden die Grenze. Der Abstand zwischen Gast und Bartender ist allerdings größer als in der Sieferle & Sailer Bar in Mannheim. Ein bisschen Abstand wird hier auch vorgezogen. Der Bartender erspart sich auf jeden Fall das Hochheben und Rüberbeugen, wie es bei den klassischen Bartresen der Fall ist. Ich empfinde das Sitzen an einer niedrigeren Bar als stabiler und bequemer. Üblicherweise ist auf der Bar ein großer Eisblock zu finden. Im Sommer nicht, er schmilzt zu schnell und lädt natürlich zum Anfingern ein. Der Bartender erzählte mir, dass da mal einer sogar seine Zunge drangehalten hat. Manche Gäste sind schon sehr einfallsreich, aber wahrscheinlich hatte er vorher gelesen, dass es in dieser Bar aromatisiertes Eis gibt.

Die Kinly Küche beherbergt einige technische Gerätschaften wie Sous Vide Garer, Homogenisierer und Rotations-Verdampfer, die den Drinks den letzten Schliff geben. Ich bin immer etwas hin und her gerissen zwischen Bar und Labor. Neugierig verfolge ich die schönen Präsentationen der Drinks auf Facebook. Der Mary Read wurde als „strong and rough like a pirate, beautiful and tender like a lady” beschrieben. Die Präsentation erfolgt in einer gläsernen Schatzkiste mit essbarem Sand aus Löffelbiskuit. Ein sommerlicher Ausflug in die Karibik, und viel zu schnell war das Gemisch aus Pandan infusioniertem Rum, selbstgemachten Pimento Drum, Mango Shrub, Aromatic Bitters, Salz und Limette leer. Wasser wird selbstverständlich immer nachgefüllt und auch ein Shot mit Bourbon kommt in regelmäßigen Abständen. Sehr gefährlich, aber leider auch lecker. Ich versuchte mich als nächstes am Mace Runner. Bourbon mit Muskat, Rhabarber Shrub, Buttermilch Cordial, Limette und Chocolate Bitters. Der Drink war in sich schlüssig, ich würde ihn aber nicht nochmal bestellen. In der Zwischenzeit wurde es voller und ein weiterer Kinly Boy traf ein. Ein Zwischenshot,ein Zwischenbier und dann kam mein Highlight des Abends. Ein Old Fashioned auf Ryebasis. Das Besondere an diesem Old Fashioned ist aber die Herstellung. Die Basisspirituose wurde mit Hilfe eines Rotationsverdampfers komplett zerlegt. Der Geschmack wurde isoliert und dient als Basis für eigene Bitters und Zuckersirup. Im Glas werden dann alle Zutaten wieder vereint und mit einer großen Eiskugel serviert. Die Frage, warum man eine Spirituose so verändern muss drängt sich auf. Die Antwort findet man im Geschmack. Die Zeit verging wie im Flug und es war bereits halb zwei. Man verliert hier völlig das Zeitgefühl.

Schönere Bilder der Drinks finden sich hier. 

Roomers

Auf meiner Liste stand noch ein Besuch im Roomers. Bisher hatte ich es noch nicht in diese Bar geschafft. Hotelbars sind in meinem persönlichen Ranking nicht ganz oben, aber ich hatte Frank Thelen vor einiger Zeit in Hamburg getroffen und versprochen ihn im Roomers zu besuchen. Es war ein taktischer Fehler zuerst in die Kinly Bar zu gehen. Ich war doch schon ziemlich angeschlagen, als ich mit einiger Kraft die Tür zur Bar aufdrückte.

Mehrfach ausgezeichnete Hotelbar, aber ich hatte nicht so viele positive Kommentare in der letzten Zeit gehört. Als ich den Raum betrat befand ich mich wieder in einer neuen Barwelt. Elegant, schwarz, schummrig, ein bisschen verrucht. Ich hatte mir die Bar viel größer vorgestellt. Der Raum ist 75 qm groß und im Zentrum steht eine ovale elegante Bar. Dahinter tummeln sich sexy Jungs in schwarzen Anzügen mit Krawatte, die man durch die Form der Bar von allen Seiten betrachten kann. Glänzende Crushed Ice Becken und dezente Beleuchtung machen die Atmosphäre exklusiv und intim. Ein DJ sorgte für den Beat.

Hinter der Bar entdeckte ich den Grund meines Besuchs. Ein Blick in die Karte war nicht nötig. Mein erster Drink war etwas leichter, aber dann musste es doch ein Seelbach sein. Es gibt keine Silberkelche, aber geschmacklich war der Drink hervorragend. Ich versuchte mit den gereichten Nüssen und Oliven etwas die Alkoholwirkung zu unterdrücken. Dieses Hobby zeigt immer recht schnell seine Wirkung und leider kann ich nicht so viel trinken wie ich gerne würde. Der Besuch war viel zu kurz und wird auf jeden Fall wiederholt. Es folgt dann auch ein Bericht mit mehr Inhalt 😉

Ansonsten hatte ich eine tolle Woche zu Hause und habe viele unterschiedliche Bartresen gesehen. Das ist das Herzstück einer Bar und Sitzkomfort, Abstand zum Bartender, Platzierung und Material entscheiden über die Kommunikation mit dem Gast. Klarer Favorit der Woche ist das Sieferle & Sailer.

 

 

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